Psychisches Trauma

 Das medizinische Klassifikationssystem ICD-10 und die zugehörigen diagnostischen Anleitungen beschreiben das Traumakriterium als:

 „[…] ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde (z. B. Naturkatastrophe oder menschlich verursachtes schweres Unheil – man-made disaster – Kampfeinsatz, schwerer Unfall, Beobachtung des gewaltsamen Todes Anderer oder Opfersein von Folter, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen).“

DSM5 (TR):  Quelle: dsm5.org- abgerufen am 19.12.2015

"The diagnostic criteria for the manual’s next edition identify the trigger to PTSD as exposure to actual or threatened death, serious injury or sexual violation. The exposure must result from one or more of the following scenarios, in which the individual:
  • directly experiences the traumatic event;
  • witnesses the traumatic event in person;
  • learns that the traumatic event occurred to a close family member or close friend (with the actual or threatened death being either violent or accidental); or
  • experiences first-hand repeated or extreme exposure to aversive details of the traumatic event (not through media, pictures, television or movies unless work-related).
The disturbance, regardless of its trigger, causes clinically significant distress or impairment in the individual’s social interactions, capacity to work or other important areas of functioning. It is not the physiological result of another medical condition, medication, drugs or alcohol."
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aus "Versicherungsmedizinische Begutachtung der Posttraumatischen Belastungsstörung", Christoph Mueller-Pfeiffer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, UniversitätsSpital Zürich, Schweiz; Department of Psychiatry, Massachusetts General Hospital, Boston, USA SWISS ARCHIVES OF NEUROLOGY, PSYCHIATRY AND PSYCHOTHERAPY 2016;167(1):12–20:

"1. Direktes Erleben eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse.

2. Persönliches Erleben eines oder mehrerer solcher traumatischer Ereignisse bei anderen Personen.

3. Erfahren, dass einem nahen Familienmitglied oder einem engen Freund ein oder mehrere traumatische Ereignisse zugestossen sind. Im Falle von tatsächlichem oder drohendem Tod des Familienmitgliedes oder Freundes muss das Ereignis bzw. müssen die Ereignisse durch Gewalt oder einen Unfall bedingt sein.

4. Die Erfahrung wiederholter oder extremer Konfrontation mit aversiven Details von einem oder mehreren derartigen traumatischen Ereignissen (z.B. Ersthelfer, die menschliche Leichenteile aufsammeln, oder Polizisten, die wiederholt mit schockierenden Details von Kindesmissbrauch konfrontiert werden)."

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Für den Traumabegriff im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung reicht nicht

stressbedingte psychische Belastung

  • durch Arbeits- und Zeitdruck oder
  • durch mangelnde Einarbeitung und Unterstützung durch den Arbeitgeber
  • durch mangelnde Aufgabenbeschreibung
  • durch fehlerhaftes Vorgesetztenverhalten oder
  • durch unzureichendes Konfliktmanagement.

Solche Situationen können krank machen und sind sicherlich für einen Teil der Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen verantwortlich. Die Arbeitgeber müssen hier präventiv gegensteuern - www.gefaehrdungsbeurteilung.de

Mögliche Faktoren für psychische Belastungen in der Arbeitswelt

 

siehe http://www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-32/?L=0

Rollenambiguität, Rollenkonflikte, Rollenüberforderung,

Arbeitszufriedenheit, Commitment und Kündigungsabsichten.

fehlende soziale Unterstützung

Unsichere Arbeitsplätze, geringer Handlungsspielraum

distributive Ungerechtigkeit
/ prozedurale Ungerechtigkeit

Ungerechtigkeit der Vorgesetzten im Umgang miteinander

angespannte Beziehung zu Kollegen und Kolleginnen

kleinere, alltägliche Ärgernisse

geringer Handlungsspielraum


Lange Arbeitszeiten oder monotone Tätigkeiten waren mit einem erhöhten Rauchkonsum assoziiert.

unflexible Arbeitszeiten